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Blog Polizei

Einsatz in Zeiten von Corona

Die Autorin dieses Blogbeitrags möchte anonym bleiben. Sie ist Polizistin in Wien und gewährt uns einen Einblick in ihren Berufsalltag in Zeiten von Corona.


Einerseits müssen wir nach Gesetzgeber handeln und unterbinden, wenn wir das nicht tun, sind wir unseren Job los. Andererseits werden wir von Personen beschimpft/bespuckt/beschuldigt, da wir diese Gesetze ausführen.

Eine Polizistin erzählt…

Ich bin Polizistin in Wien und wir arbeiten Tag täglich mit den verschiedensten Menschen zusammen. Zu Anfangs haben wir täglich normale OP-Masken (max. 2 Stück am Tag pro Person) bekommen. Nach 15-30 Minuten konnte man die Maske, wie jeder wahrscheinlich weiß, wegwerfen. Das oft längere Reden, jemandem nach laufen, oder etwa Außeneinwirkung, macht die Masken einfach nach einer Zeit ekelhaft. Zudem haben wir 1 Desinfektionsmittel für die Hände bekommen – mehr nicht. (Mittlerweile haben wir zumindest 3 zusätzliche Stoffmasken und 2 FFP2 Masken bekommen, noch immer kein persönliches Desinfektionsmittel). Wir arbeiten nicht nur täglich mit fremden Menschen, die wir angreifen müssen, die uns ab und an auch bespucken, anhusten, in deren Wohnung wir müssen, sondern arbeiten auch mit unseren Kollegen zusammen. Wir fahren im Funkwagen mit ihnen und arbeiten auf der Dienststelle nebeneinander.

Unsere Kollegen sind vom Gesetz her wie eine Partnerschaft anzusehen, deswegen mussten wir zu anfangs auch keine Masken untereinander tragen, was an und für sich gut war/ist, denn 12-36 Stunden mit einer Maske ist oft auch untragbar. (unsere Dienste sind immer 12-Stunden-Dienste). Für uns ist das Tragen jedoch selbstverständlich! Es geht um unsere Gesundheit, die unserer Kollegen, Familien, Parteien mit denen wir arbeiten.

Viele von uns haben ihre Verwandten seit dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr gesehen, weil das Risiko zu groß ist!

Aber wir gehen auch jeden Tag nach Hause – ohne einen Schnelltest zu machen. Es gab (Teststraßen) die Möglichkeit sich testen zu lassen. Behördliche Tests (eigene Teststraßen) werden nur auf Grund von Symptomen angeordnet. So gehen wir also jeden Tag, nachdem wir mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun hatten, ohne Test heim.
Wir fahren zu unseren Kindern, zu unseren Frauen/ Männern, Eltern/Großeltern.. Halten dann hier auch schon einen großen Abstand, wenn wir sie überhaupt treffen. Viele von uns haben ihre Verwandten seit dem Ausbruch nicht mehr gesehen, weil das Risiko zu groß ist!

Und während wir täglich dieses ‚Risiko‘ auf uns nehmen, werden Demonstration/Veranstaltungen/Feiern zugelassen, bei welchen das Virus noch mehr verarbeitet wird.

Wir stehen zwischen den Fronten.

Abgesehen davon, sind wir der verlängerte Arm des Gesetzes. Wir handeln menschlich! Aber unter den vorgeschriebenen Gesetzen, die die Regierung bestimmt! Wir stehen zwischen den Fronten. Einerseits müssen wir nach Gesetzgeber handeln und unterbinden, wenn wir das nicht tun, sind wir unseren Job los. Andererseits werden wir von Personen beschimpft/ bespuckt/beschuldigt, da wir diese Gesetze ausführen.

Jede:r von uns (egal ob Blaulicht Organisation, Pflegepersonal, Verkäufer etc…) leistet in dieser Zeit einen großen Teil! Jede:r, der die Welt auf ihre/seine Art ein wenig sicherer & sauberer macht, sich an die Gesetze hält und sich trotzdem privat informiert (was ist nun richtig, was sind Fake News) ist in meinen Augen ein:e Held:in.

An dieser Stelle möchten wir der Verfasserin dieses Textes dafür danken, dass sie ihre Einblicke mit uns teilt.